Kindeswohlabklärung

Vorbemerkung

Eine Überweisung an den Kinder- und Jugenddienst (KJD) setzt (zwingend) voraus, dass die sorgeberechtigten Eltern von Kindern und Jugendlichen nicht nur über die Überweisung informiert und damit einverstanden sind, sondern dass nach Einschätzung der überweisenden Stelle die begründete Aussicht besteht, dass die Eltern mit dem KJD auf der Basis einer Vereinbarung/eines Auftrages freiwillig zusammenarbeiten, um ihrem Kind den Hilfebedarf zuteil werden zu lassen, der nötig ist, um einer Gefährdung des Kindeswohles zu begegnen.

Eine solche begründete Aussicht auf eine freiwillige Zusammenarbeit der Eltern mit dem KJD lässt sich daran erkennen, dass die Eltern

  1. die Notlage/das Gefährdungsrisiko ihres Kindes einsehen und die Ursachen dafür mit der überweisenden Schule überwiegend teilen (Problemakzeptanz und -kongruenz)
    und fähig und bereit sind,
  2. ihr Erziehungsverhalten zu verändern (Veränderungsbereitschaft)
  3. ergänzende Hilfen zur Erziehung und weitere Hilfen anzunehmen (Hilfeakzeptanz)
  4. d) Vereinbarungen mit dem KJD einzugehen (Vereinbarungsfähigkeit und -bereitschaft)
  5. allfällig erforderliche Kontrollen mit dem KJD zu vereinbaren (Kontrollakzeptanz).

Fehlt es nach Einschätzung der überweisenden Stelle an einer oder mehrerer dieser Voraussetzungen, kommt eine Überweisung an den KJD nicht in Betracht. Dann muss die Stelle eine entsprechende Meldung an die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) erstatten. Nur die KESB kann gegen den Willen der Eltern (oder bei deren Ambivalenz) behördliche Kindeswohlabklärungen anordnen und nötigenfalls Kindesschutzmassnahmen errichten. Der KJD kann nur auf der Basis eines entsprechenden Auftrages, den die Eltern ihm erteilen, tätig werden. Andernfalls bedarf es einer Anordnung der KESB, dass die Eltern mit dem KJD zusammenarbeiten müssen, sei es im Rahmen einer Kindeswohlabklärung oder eines Kindesschutzmandates. 

Bei Unsicherheiten, ob die Voraussetzungen für eine Überweisung an den KJD gegeben sind, berät der KJD die Stellen gerne (Tel. 061 267 45 55).

Bei einer vermuteten oder erwiesenen Gefährdung des Kindeswohls gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Wenn die Eltern mit einer Kindeswohlabklärung einverstanden sind, können kantonale Fachstellen und Schulen die Familie direkt an den Kinder- und Jugenddienst KJD überweisen. Für eine Überweisung braucht es die Angaben «Überweisung an den KJD» für Schulen bzw. für Anlaufstellen Netzwerk Kinderschutz.
  2. Wenn zur Behebung der Probleme behördliche Anordnungen erforderlich erscheinen oder Eltern nicht einverstanden sind mit einer Überweisung an den Kinder- und Jugenddienst KJD, richten Private oder Fachpersonen eine Gefährdungsmeldung an die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB).

Sowohl KESB wie auch KJD beraten Private oder Fachpersonen darüber, welcher Zugang oder welches Vorgehen geeignet sind.