Prävention

Grundlagen

Früh einsetzende Beratung beugt Eskalation vor

Nur durch eine differenzierte Information über den Kindesschutz, durch eine Sensibilisierung auf die Thematik und eine Enttabuisierung derselben wird ermöglicht, dass Probleme frühzeitig erkannt werden und dass durch frühzeitiges Eingreifen schädliche und kostenintensive Eskalationen nach Möglichkeit vermieden werden.

Risiken erkennen ist der erste Schritt zur Prävention

Kleinere Ressourcen (sei das materiell, psychisch, sozial oder emotional) in der Familie können Eltern so weit überlasten und überfordern, dass für die Kinder ein grösseres Risiko entsteht, Opfer von Misshandlungen oder Vernachlässigung zu werden. Wichtig ist, darüber zu reden, die Schwächen auch gegenüber den Kindern nicht zu verstecken und den Erwachsenen Mut zu machen, Hilfe anzunehmen. Meist ist es nicht möglich die fehlenden Ressourcen in kurzer Zeit zu ersetzen. Um so wichtiger ist eine angemessene und langfristig ausgerichtete Unterstützung mit dem Fokus auf das Kindeswohl.

Prävention ist auch eine politische Aufgabe

Armut und fehlende materielle Lebensgrundlagen werden von vielen Stellen als wesentlichen Risikofaktor für Kindsmisshandlungen betrachtet.
Stichworte sind Krippenplätze, Spielgruppen, Tagesheime und -schulen, aber auch die Bekämpfung von struktureller Gewalt, unter der Kinder leiden. (Verkehr, Umweltbelastung, Konsumdruck etc.)
Ein anderes Thema ist die soziale Integration in den verschiedensten Bereichen von Menschen aus anderen Kulturen, aber auch von Menschen mit psychischen oder sozialen Problemen.

Plädoyer für einen respektvollen Umgang mit Kindern

«Zeigen Sie Stärke - keine Gewalt an Kindern!» heisst eine Kampagne des Kinderschutz Schweiz. Eltern und andere Erziehungsberechtigte werden aufgefordert, die Bedürfnisse der Kinder wahrzunehmen und zu respektieren, ihnen sowohl angemessene Freiräume wie auch angemessene Grenzen zu setzen. Die Freiräume sowie die Grenzen sollen das Kind fördern, nicht überfordern. Voraussetzung für die Wahrnehmung jedes Kindes mit seiner ganz besonderen Individualität ist Zuwendung und Aufmerksamkeit. Das Selbstbewusstsein des Kindes sowie soziale und emotionale Kompetenzen sollen gestärkt werden. Der Respekt soll auf Gegenseitigkeit beruhen: Art 301 Abs 2 ZGB: «Das Kind schuldet den Eltern zwar Gehorsam (...), die Eltern haben aber im Gegenzug dem Kind eine seiner Reife entsprechende Freiheit der Lebensgestaltung zu gewährleisten und in wichtigen Angelegenheiten so weit tunlich auf seine Meinung Rücksicht zu nehmen.»

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Konkrete Möglichkeiten der Anlaufstellen in der Prävention

Ausrichtung der Prävention auf

Eltern

Umfassende Beratung von Eltern, die sich evtl. auch aus anderen Gründen zu einer Beratung melden (direktes und indirektes Arbeiten)
Angebote zur Begleitung vor und nach der Geburt bei Eltern mit geringen Ressourcen
Angebote für junge Mütter/Eltern von Kleinkindern
Elterngruppen und Erziehungsberatung zu verschiedenen Themen:
Entwicklungsphasen: z.B. Trotzphase, Pubertät
Übergangssituationen: z.B. Schuleintritt, Schulübertritt, Ortswechsel
«Erziehungsklassiker»: z.B. Grenzen setzen, Strafen, Erziehung zur Selbständigkeit.

Kinder

Achtung und Stärkung der Individualität und des Selbstvertrauens
Kinder aufzeigen, wie sie sich selbst besser schützen können.
Erziehung zum verantwortungsvollen Umgang mit sich selbst, anderen Kindern, Erwachsenen und der Umwelt.
Förderung von kritischem und selbstständigem Denken

Gesellschaft

Bekämpfung von struktureller Gewalt
Bewusster Umgang mit Medien und Konsum
Stärkung von sozialen Netzen
Bildung von Selbsthilfegruppen

Schule

Information und Unterstützung von Schulen (Themen Integration, Gewalt und Bullying)
Unterstützung und Weiterbildung für Lehrpersonen
Einführung und Ausbau der Schulsozialarbeit
Stellungnahmen zu Schulreformen im Hinblick auf soziale Probleme

Politik

Stellungnahmen zu konkreten Vorhaben und möglichst breit abgestützte Öffentlichkeitsarbeit
Lobbying unter Politikern nicht nur für den Kindesschutz, sondern auch betreffend der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen.

Weitere Informationen

Anlaufstellen Netzwerk Kinderschutz

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