Vernachlässigung

Diese Form ist zusammen mit der psychischen Misshandlung die häufigste Form und kommt bei Kindern jeden Alters vor. Gleichzeitig ist es diejenige Gefährdungsform, die am Schwierigsten als solche zu erkennen und zu objektivieren ist.
Von einer Vernachlässigung wird gesprochen, wenn die Eltern oder Betreuungspersonen ihre Kinder unzureichend ernähren, pflegen, gesundheitlich versorgen, beaufsichtigen oder ungenügend vor Gefahren schützen; ausserdem, wenn die Eltern sich ihren Kindern emotional zu wenig zuwenden und in ihrer emotionalen und geistigen Entwicklung zu wenig unterstützen.

Umfeld/Ursprung

Die Ursprünge können grundsätzlich in vier Hauptgründe aufgeteilt werden

  • Mangelnde Kenntnis/Wissen
  • So ist nicht allen werdenden Müttern bewusst, dass sie z.B. durch Suchtveralten ihr Kind schon während der Schwangerschaft schädigen können. Ein anderes Beispiel sind Eltern, die der Meinung sind ein Baby müsse immer schlafen, oder es tue ihm gut zu schreien, oder ein dreijähriges Kind könne gut alleine zu Hause sein. Natürlich wären auch weitere Beispiele für ältere Kinder denkbar. (Stichworte: falsche Ernährung, überholte Erziehungsmethoden)
  • Persönliche Notlagen
  • Oft geht die Vernachlässigung mit der Armut Hand in Hand. Ein deutliches Beispiel sind Eltern, die in einer sehr engen Wohnung an einer lärmigen Strasse mit aggressiven Nachbarn leben. Oft ist es für diese Eltern sehr schwierig sich aus einer Armutsspirale zu befreien und ihre Kinder vor Vernachlässigung zu schützen. Weitere Beispiele wären plötzliche Krisen, in denen die Eltern mit dringenden existentiellen Problemen so beschäftigt sind, dass sie sich ihren Kindern zu wenig widmen können. (Stichworte: Arbeitslosigkeit, Todesfälle)
  • Aber auch die Erfüllung aller materiellen Bedürfnisse ersetzt nicht eine emotionale Zuwendung. Ein Beispiel sind Eltern, die versuchen die mangelnde Zuwendung (z.B. wegen Arbeitsüberlastung) mit Konsumangeboten zu ersetzen. (Stichworte: Süssigkeiten, TV, Computerspiele).
  • Psychische Störungen der Eltern
  • Psychische und psychosomatische Probleme der Eltern wie z.B. Depressionen entziehen den Eltern die Energie, die sie für eine Kontaktnahme zu den Kindern benötigen.
  • Konflikte der Eltern
  • Ähnlich wie bei den beiden letzten Punkten wird die Aufmerksamkeit, die die Kinder von den Eltern benötigen, vom Konflikt zwischen den Eltern "aufgefressen". So stellen zum Beispiel Eltern in konfliktiven Scheidungssituationen oft das Wohl der Kinder hinter den eignen Interessen zurück.

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Symptome/Folgen

Wie schon einleitend erwähnt können die Folgen und Symptome vielfältig sein und auch die hier aufgeführten Symptome lassen keinen direkten Rückschluss auf eine Vernachlässigung zu.

  • Fehl- oder Unterernährung und mangelhafte Hygiene sind die offensichtlichsten Folgen.
  • Mangelnde Aufsicht kann zu einer ganzen Reihe von sich wiederholenden Unfällen führen.
  • Mangelnde soziale Kontakte (Spielen, Singen, Gruppenaktivitäten) führen zum Beispiel dazu, dass Kinder in einer Gruppe von Gleichaltrigen nicht zurecht kommen.
  • Distanzlosigkeit, klammerndes Verhalten können genauso Ausdruck einer erlittenen Vernachlässigung sein, wie deprimiert ängstliches Verhalten, Zurückgezogenheit und die Angst vor Bindungen.

Weitere Informationen

Anlaufstellen Netzwerk Kindesschutz

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