Sexuelle Gewalt

Als sexuelle Gewalt an Kindern oder sexuelle Ausbeutung von Kindern wird jede Handlung einer Person (meist Erwachsene, aber auch Jugendliche) mit oder an einem Kind oder abhängigen Jugendlichen bezeichnet, die der sexuellen Erregung oder Befriedigung der Täter-Person dient. Die Täter-Person ist einem Mädchen oder Jungen sowohl geistig als auch körperlich überlegen. Genau diese Machtposition und die häufig gleichzeitige Abhängigkeit des Kindes nutzt ein Täter oder eine Täterin zur Befriedigung eigener Bedürfnisse aus.

Formen

Es gibt viele verschiedene Formen und Facetten sexueller Ausbeutung. Häufig beginnt eine Ausbeutungssituation mit scheinbar zufälligen Berührungen an Brust oder Genitalien. Oder - und zunehmend - beim Betrachten von Videos, Filmclips im Internet etc.
Hier die üblichsten Formen: Exhibitionismus und Voyeurismus, Konfrontation mit Pornographie, Berührungen des Kindes mit sexueller Absicht, das Verlangen des Täters oder der Täterin, befriedigt oder gestreichelt zu werden, anale, orale und vaginale Penetration, Verleitung und Zwang zur Prostitution.

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Umfeld/Ursprung

Sexuelle Ausbeutung kommt unabhängig von ethnischer Herkunft, Alter, Beruf und religiöser Zugehörigkeit in allen Gesellschaftsschichten vor.

  • Nur ein geringer Teil der Täter und Täterinnen sind einem Kind fremd. Vielmehr stammen die Ausübenden sexueller Gewalt meist aus dem nahen sozialen oder familiären Umfeld des betroffenen Kindes.
  • Die Täter sind in den meisten Fällen männlich, auch wenn sie Jungen ausbeuten. Sexuelle Gewalt üben jedoch auch Frauen aus und zwar sowohl an Mädchen wie auch an Jungen. Männliche Täter, die Jungen sexuell missbrauchen, sind in vielen Fällen - entgegen der landläufigen Vorstellung - Männer, die auch sexuelle Beziehungen zu Frauen pflegen.
  • Häufig sind es Bedürfnisse nach Macht und Dominanz, die mit dem Mittel der Sexualität befriedigt werden. Nicht immer wenden Täter oder - seltener - Täterinnen rohe Gewalt an. Oftmals wird ein Kind subtil zu sexuellen Handlungen gezwungen: Seine Zweifel werden zerstreut, es werden ihm falsche Normen eingeredet und sein Widerstand wird systematisch übergangen. Auch wenn ein Kind vordergründig "ohne" Gewalt dazu gebracht wurde "mitzumachen", handelt es sich um sexuelle Ausbeutung.
  • Es gibt Täter und Täterinnen, die ihre Übergriffe über eine lange Zeitspanne systematisch planen. Andere Übergriffe erfolgen spontan.
  • Der dem Opfer auferlegte Geheimhaltungsdruck, der zentral ist bei sexueller Ausbeutung, macht es deutlich: Der Täter oder die Täterin ist sich des begangenen Unrechts durchaus bewusst, das Kind jedoch wird durch das Schweigegebot zu Sprachlosigkeit verurteilt, wird in die Hilflosigkeit und Isolation getrieben.

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Symptome/Folgen

Es gibt auch hier - abgesehen von den direkten physischen Folgen - keine typischen Symptome, die eindeutige Rückschlüsse auf sexuelle Gewalt erlauben.

Physische Folgen:

Verletzungen im genitalen, analen oder oralen Bereich und an andren Körperstellen, Infektionen, Reizungen, Blutungen oder Fremdkörper im analen oder vaginalen Bereich oder in der Harnröhre, Schwangerschaften können als Folge auftreten. Auch diese Zeichen sind aber oft nur schwer in einen Kausalzusammenhang mit einer Misshandlung zu bringen.

Psychische, psychosomatische und soziale Folgen:

  • Diese Folgen sexueller Gewalt sind im Allgemeinen umso schwerwiegender je häufiger und ausgeprägter die sexuelle Gewalt ausgeübt wurde und je näher die Tatperson dem Opfer steht. Die Folgen hängen aber auch von der individuellen Fähigkeit der Opfer das Erlebte zu verarbeiten und von der dabei erhaltenen Hilfe ab.
  • Die seelischen Folgen schwerwiegender sexueller Gewalt gehen oft sehr tief und belasten die Betroffenen über Jahre. Das liegt auch daran, dass Kinder häufig durch ihnen nahe stehende Erwachsene missbraucht werden, die sie eigentlich beschützen sollten, von denen sie abhängig sind und die ihr Vertrauen oder eine Machtposition missbrauchen.
  • Ausgebeutete Kinder leiden nicht nur unter einem eigentlichen Chaos der Gefühle, sondern auch unter vielfachen Ängsten. Angst vor der Wiederholung der Ausbeutungssituation, Angst, dass dem Kind nicht geglaubt wird, wenn es davon erzählt, aber auch davor, dass die Aufdeckung des Missbrauchs die ganze Familie in eine tiefe Krise stürzen könnte, ganz besonders, wenn der Täter oder die Täterin aus der Familie stammt. Diese Ängste und Gefühle von Isolation, Ohnmacht und Schuld führen nebst dem Schweigegebot des Täters oder der Täterin dazu, dass Kinder nicht, oder nur verschlüsselt, über die erfahrene Ausbeutung reden.
  • Das Überhören von Signalen kann dazu führen, dass ein Kind, das schwer misshandelt wurde, über Jahre in Schweigen versinkt und die Hoffnung auf eine Offenlegung und Verarbeitung des Erlebten aufgibt.

Chronische Depression, Selbstmordversuche, Selbstverstümmelung, Zeichen des Entwertens des Körpers (Übergewicht, Magersucht, Einnässen), psychosomatische Symptome, Ausreissen, Schulversagen, aber auch Spätfolgen bei Erwachsenen wie Angstzustände oder Versagen im Beruf und eine gestörte Beziehung zur Sexualität gehören zu den häufigsten Symptomen.

Weitere Informationen

Anlaufstellen Netzwerk Kindesschutz

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